Pressemeldungen  | 01.06.2017

„Neues Denken und Handeln im Milchmarkt muss endlich realisiert werden“

Milchbauernpräsident Schmal auf dem Milchgipfel 2017

„Nach der Krise ist vor der Krise. Deshalb müssen wir jetzt die erkannten strukturellen Defizite angehen. Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hat in den vergangenen Strukturgesprächen und auch beim heutigen Milchgipfel mit den Vertretern des deutschen Milchsektors eine korrekte Beschreibung der Herausforderungen vorgenommen. Nun gilt es, diese auch anzugehen.“
 
Dies mahnte der Milchbauernpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Karsten Schmal, auf dem heutigen Milchgipfel (1.6.2017) im Bundeslandwirtschaftsministerium an. Aktuell sei die Marktlage für die Milchbauern erheblich besser als in den vergangenen beiden Jahren. Derzeit liegen die Auszahlungspreise für die Milchbauern bei 33 Cent je Kilogramm Milch, im Juni 2016 waren es noch 23 Cent.
 
„Auf der Markterholung darf sich die Milchbranche jedoch nicht ausruhen, vielmehr müssen die festgestellten Probleme entschlossener als bisher angegangen werden“, forderte der Milchbauernpräsident. „Etliche Diskussionen drehen sich gebetsmühlenhaft um antiquierte marktpolitische Instrumente einer vergangenen Agrarpolitik. So kann sich eine Branche mit dem Anspruch, leistungsfähig und innovativ zu sein, nicht für die Zukunft aufstellen.“
 
Schmal führte dem genossenschaftlich geprägten deutschen Milchsektor die Notwendigkeit struktureller Weiterentwicklung erneut deutlich vor Augen. Brachliegende Wertschöpfungspotentiale auf heimischen und Drittlands-Märkten müssten entschiedener angegangen werden. Die anstehende Übernahme der ehemals größten süddeutschen Genossenschaft Omira durch den französischen Privatkonzern Lactalis sei mehr als ein Weckruf für die deutschen Genossenschaften.
 
Schmal forderte auf dem Milchgipfel, die Lieferbeziehungen zwischen Milchbauern und Molkereien endlich neu auszurichten, so dass die Stellung und Verantwortung der Milchbauern gestärkt werde. Den gesetzlichen Rahmen dafür könnte die auf europäischer Ebene augenblicklich diskutierte Überarbeitung der Gemeinsamen Marktorganisation setzen, um eine Modernisierung der Preisgestaltung zu unterstützen. „Dies wäre ein wichtiger Schritt zur marktgerechten und modernen Gestaltung der Lieferbedingungen zwischen Molkereien und Landwirten“. Auch in der Etablierung eines anerkannten Branchenverbandes sieht Schmal eine Chance für den deutschen Milchsektor, um zum Beispiel die Absatzförderung, die Standards gegenüber einem verhandlungsstarken Lebensmitteleinzelhandel oder die Umsetzung von Instrumenten zum Umgang mit künftigen Preiskrisen zu diskutieren.