Pressemeldungen  | 17.07.2017

Diskussion zum Insektensterben in einer „Wolke der Unwissenheit“

DBV sieht großen und dringenden Forschungsbedarf

Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht in der aktuellen Diskussion über das so genannte Insektensterben erhebliche Lücken bei der Datengrundlage, die dringend geschlossen werden müssen. „Aussagen wie ‚früher waren mehr Insekten auf der Windschutzscheibe‘ eignen sich möglicherweise für den Autofahrer-Stammtisch, werden aber der Bedeutung und Tragweite des Problems nicht im Ansatz gerecht“, kommentierte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Krüsken verwies auf die Feststellung des Insektenforschers Martin Sorg vom Krefelder Entomologischen Verein, der gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 16. Juli 2017 die Diskussion „in einer Wolke der Unwissenheit“ verortete.

 

„Die Krefelder Insektenforscher bestätigten, dass es keine gesicherten Erkenntnisse gibt, denn es fehlten flächendeckende Bestandszahlen und systematische Forschungsreihen oder ein Langzeitmonitoring. Den großen Klärungsbedarf, den die Wissenschaftler sehen, können wir in vollem Umfang bescheinigen“, so Krüsken.

 

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte am Wochenende erneut die Landwirtschaft für das Insektensterben verantwortlich gemacht. „Diese Aussagen sind in dieser Form nicht zu begründen. Es gibt leider keine repräsentativen Untersuchungen oder belastbaren Studien über Umfang und Ausmaß von Veränderungen des Insektenbestandes. Umso dringender brauchen wir verlässliche Daten, um diese Debatte auf eine seriöse Grundlage stellen zu können“, forderte Krüsken. Den Landwirten werde es nicht zuletzt durch bürokratische Hindernisse schwergemacht, die Verhältnisse für die Insekten durch Blühstreifen und artenreiche Feldränder noch weiter zu verbessern. Die Potenziale im Greening würden derzeit durch komplizierte Antrags-und Kontrollverfahren ausgebremst.

 

Zudem werde nach wie vor zu wenig gegen den Flächenverbrauch unternommen. Der Lebensraum von Insekten und anderen Tieren gehe überall dort verloren, wo Felder, Wiesen, Weiden und Wälder unter Asphalt und Beton verschwinden, derzeit immer noch 66 Hektar täglich. Hier sieht der DBV auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Bauen in der Verantwortung.